Kaffee spendet Wärme und führt Menschen zusammen. Seine anregende Wirkung hatte bereits den Dichterfürsten begeistert. Der berühmte Sozialphilosoph Habermas behauptet gar, dass aus den bürgerlichen Kaffeestuben des 18. Jahrhunderts die moderne Demokratie hervorgegangen sei. Über allem schweben natürlich der köstliche Geschmack und behagliche Duft. Kaffee = Kultur.
Seit einiger Zeit jedoch expandieren hierzulande so genannte Coffeebars. Ihre aufdringliche Hochglanz-Werbung überwältigt selbst den ruhigsten Zen-Buddhisten. In fast jedem großstädtischen Zentrum steht mittlerweile Einer von ihnen und lädt zum Konsum ein. Konsum, nicht Genuss. Drinnen verlangt Jack Johnson (oder war es John Jackson?), dass man gefälligst meditativ wird. SOFORT! Man reiht sich ein in die Schlange von rosa Polohemden und Jeans-in-Stiefeln. Die Produktbezeichnungen und Mengenangaben scheitern in gleich drei verschiedenen Sprachen und zwingen natürlich den zwischen Verwirrung und Ärger schwankenden Gast an der Kasse zur Nachfrage. Daraufhin wird man von einem jugendlich-frechen Möchtegern-Barista geduzt bis es kein Morgen mehr gibt. Die Erkenntnis der eigenen Nicht-Coolness drängt sich auf. Man will einfach nur weg. Dann ist es auch egal, dass der Cappuccino 5 Tacken kostet. Sojamilch? Vanillesirup? Schokoflocken? Hat zwar mehr mit Milchshake zu tun als mit Kaffee, aber gib her den Scheiß, immer feste druff. Bei der Zuckerstation nimmt man aber doch besser den braunen Zucker. Der ist ja so ungemein natürlich und roh.
Nun erstmal runterkommen. Eigentlich sind die Kaffeevariationen schon irgendwie lecker. Und über die Qualität der Zubereitung kann man sich auch nicht beklagen. Aber geht das nur in dieser überamerikanisierten Gestalt? Die da drüben können ja Einiges, aber Kaffee stilvoll genießen ist wohl doch eher Sache des alten Europas. Ruhig und gelassen, mit Freunden oder einer guten Lektüre. Im Sommer am Trottoir, im Winter bei Kerzenschein. Ich habe auch keinerlei Einwände, wenn jemand übermäßig viel für das Heißgetränk seiner Wahl ausgibt. Es ist bloß frustrierend, wenn so viel Geld in die Vermarktung statt in den Geschmack oder den Lohn der Angestellten fließt. Ganze Legionen von urbanen Zombies pumpen Euros in ein hysterisches System aus Plastik und PR. Zu oft wird Qualität mit Schein, Stil mit Trend verwechselt.
Aber vielleicht nimmst du dir das ja zu Herzen und wir treffen uns das nächste Mal im Wiener Kaffeehaus oder bei Mario im Café um die Ecke.
Mittwoch, 10. Dezember 2008 um 0:03
Grande…Groß
Donnerstag, 1. Januar 2009 um 23:42
Dann komm mal nach Schweden, in die zweitgrößte Kaffeetrinkernation! Hier könnte ich nichts anderes tun, als von einem herrlich gemütlichen Kaffee mit köstlichen Getränken und Speisen ins nächste schlurfen. Von morgens bis abends! Das geht sogar bis 22 Uhr hier!