Ich brauche schnelle Informationen, hier und jetzt! Videos, Bilder, Musik, Töne – Mehr, mehr, mehr! Kiste an, kurz online gehen. Browser, Favoritenliste und los.
„YouTube-Videos mit Rick Astley sind der neuste Schrei.“
Interessant.
„In China wurde heute die Meinungsfreiheit verletzt.“
Uuuh, wie spannend.
„Barack Obama lässt seine Schuhsohlen beim Schuster flicken, wenn sie durchgelaufen sind.“
Wow. Einer noch, hier.
„Brad Pitt und Angelina Jolie kaufen sich Immoblien in Berlin – unserem Berlin.“
Jaaa, nicht aufhören. Weiter, weiter, weiter!
„Der neue Film von Michael Bay ist schlecht.“
Hnnngh! – Uff, das war gut.
Die Zigarette wird angezündet. Das Verlangen ist erstmal für einige Stunden gestillt. Schön billig war das ganze auch noch. Noch ein paar lustige Videos auf YouTube anschauen und dann ab unter die Dusche. Es fühlt sich nämlich schmutzig an.
Das sollte es zumindest. Anstatt Bücher zu lesen, wird gesurft was das Zeug hält. Wer geht denn heutzutage noch in die Bibliothek statt auf Wikipedia? Gedruckt, autorisierte Enzyklopädien sind so zeitgemäß wie der Zylinder auf dem Kopf und das Monokel im Auge. Seriöse Zeitungen sterben aus, während werbefinanzierten Multimedia-Brüllern das Geld in den Rachen geworfen. Auf jeder Seite blinkt und dudelt es. Selbst dreißigminüte Fernsehsendungen sind im hyperaktiven Zeitalter der Online-Kurzvideos unerträglich. Verpixelt, gekürzt und mit Tonrauschen; egal, hauptsache mehr davon. Wir sind Freier eines häßlichen Mediums für Alle, das die überstrapazierte Konzentration zur Entspannung mit schnellverdaulichen Informationen bedient.
Und zwar für lau. Das verlangen wir. Das haben wir verdient – glauben wir zumindest.
Tags: Blog, Postmoderne
Donnerstag, 8. Januar 2009 um 12:47
Na ja, Absatzschwächen seriöser Zeitungen sind sicherlich bedauerlich. Dennoch: Das Internet ist praktisch, schnell und einfach. Auch wenn es derzeit keinesfalls ein wissenschaftliches Niveau, welches mit einer Universitätsbibliothek vergleichbar wäre, erreicht und eine ungefilterte Nutzung zu nicht viel mehr als Halbwissen führt, ist es eine unglaubliche Bereicherung.
Der Ansicht bist auch du.
Hättest du Bock, deine Beiträge hier auszudrucken und an alle Interessierten zu verschicken? Du müsstest Werbung machen, um neue Interessenten zu erreichen, Gebühren für den Versand erheben und so weiter.
Mich stört das Medium Internet mit all seinen Absuritäten eigentlich nicht. Es ist nur bemerkenswert (aber nicht automatisch verwerflich), was für eine wichtige Rolle es in den wenigen Jahren seit seiner Entwicklung eingenommen hat.
PS: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Ich hoffe nach wie vor mit aller Kraft, dass ich es nach Bochum schaffe.
Donnerstag, 8. Januar 2009 um 15:05
‘Türlich ist das Internet geil. Ich hänge ja auch täglich stundenlang davor. Das ändert aber nichts an der geistigen Problematik, an der es maßgeblich beteiligt ist. Also lass mir gefälligst die Polemik. Ich säge weiterhin fleißig an allen Ästen, auf denen ich sitze.
Oder um es mit den Worten von Hank Moody zu sagen:
„People, they don’t write anymore. They blog. Instead of talking they text. No Punctuation, no grammar. LOL this and LMFAO that. It seems to me that it’s just a bunch of stupid people pseudo-communicating with a bunch of other stupid people at a proto-language that resembles more what cavemen used to speak than the King’s English.“
Donnerstag, 8. Januar 2009 um 16:17
Na, dann säg mal ;)
Ich wusste nicht, dass du „Californication“ magst. Ist aber echt ganz nett, ich hab mir beide Staffeln schon reingezogen.
Sonntag, 26. April 2009 um 23:28
Das ganz so zu dämonisieren ist aber auch etwas voreilig. Nur weil die Mittel für den schnellen Konsum solcher „Angebote“ vorhanden sind und das damit eine ganz neue Art der Informationsaufnahme einhergeht, heißt doch nicht das der Rest komplett abgeschafft wird.
Sicher sind solch neuerungen wie das öffentliche zur schau Stellen seines Lebens in einem Blog Dinge die es so vorher nicht gab, aber den großen unterschied zwischen einem kurzen „googlen“ oder dem Aufsuchen des nächsten Lexikons kann ich nicht entdecken. Und worin unterscheided sich das schnelle Anschauen von Lolcats und Youtube Videos von der halben Stunde die Gedankenlos vor dem Fernseher verbracht wird um einfach mal abzuschalten?
Internet ist, was du draus machst. Die Zeit die ich spare indem ich die für mich relevanten Informationen aus meinen RSS-Feeds ziehe anstatt „Seriöse Zeitungen“ nach ihnen zu durchsuche kann ich deutlich sinnvoller nutzen. Die schnelle Suche nach einem Thema zeigt mir welche Bücher ich überhaupt lesen möchte anstatt das ich die ersten 20 Bücher mit vernünftig klingendem Titel querlese.
Recht hast du allerdings mit der zunehmenden Reizüberflutung beim normalen Surfen. Von allen seiten werde ich mit Werbung bombadiert und nicht selten kommt auch ein Anruf eines verunsichtern der glaubt er habe Viren auf seinem PC weil das groß auf der Internetseite angezeigt werden würde.
Nicht zuletzt liegt das aber auch an den Inhaltsanbietern. Und wenn ich den Uena Tip durchblättere fühle ich mich fast als wenn ich eine Website besucht hätte. Zum Glück gibt es im Internet ja aber einige Anbieter mehr.
Wie gesagt Internet ist, was du draus machst ;)
Montag, 27. April 2009 um 21:54
Deine abwesende Orthografie reüssiert mit der Beweisführung meiner These. ;)